Rauhnächte

Das allgemeine Weihnachts- und Neujahrüberfressungskoma hielt bei mir ganz schön lange an. Ich habe viele Jahresrückblicke gern gelesen, war zu einem eigenen aber teilweise zu faul, zum Teil erinnere ich mich gar nicht mehr so genau an alles. Man wird ja auch immer älter, gell.

Aber fangen wir von vorne an.

Weihnachten. Nach ein bisschen hin und her, wo wir denn dieses Jahr Weihnachten feiern sollen, entschlossen sich meine Eltern doch dazu, zu uns nach München zu kommen. Die restliche Familie hier würde auch kommen und es wäre dann ja auch eigentlich so wie immer. Massenweihnachtsesseneinkaufe auch so wie immer. Bis dahin war alles ganz normal, ein bisschen stressig, aber eben auch so wie immer. Dann rief mich am 24. meine Oma sehr aufgebracht an, was denn heute überhaupt los sein, sie wisse nämlich von gar nichts. Nach einem Rundruf stellte sich heraus, ihr hatte anscheinend wirklich niemand Bescheid gesagt, für alle anderen (Onkel + Tantenfamilie) war die Sache ja klar. Ich versuchte sie also zu besänftigen und zu überreden, doch herzukommen. Immerhin wären wir ja gerade dabei alles vorzubereiten und das Essen ließe sich auch nicht so einfach wegzaubern. Dabei habe ich richtig gemerkt, wie ich mich selbst aufgeregt habe, weil ich so ein stures und unflexibles Denken „Mir hat ja niemand was gesagt, also komme ich auch nicht, ob Weihnachten ist oder nicht, interessiert mich doch nicht!“ zunehmend genervt hat. Aber gut, sie wollte schließlich doch kommen.

Zum Essen gab es panierten Fisch beziehungsweise Schnitzel und Kartoffel-Gurken-Salat (für mich ein Veggie-Schnitzel), wie jedes Jahr. Da ist meine restliche Familie sehr eisern. Mein Vater gibt sich jedes Jahr viel Mühe beim Kochen und bereitete auch dieses Jahr wieder ein paar außerplanmäßige Gerichte wie Mangold-Tomaten-Ratatouille oder Mangold-Salat zu. Ich fand alles sehr lecker, der Rest verschmähte das meiste. Im Vorhinein überlegte ich mir, dass ich mein derzeitiges Lieblingsdessert auch gerne anbieten würde. Ich hätte allerdings damit rechnen müssen, dass sie auch nicht von allen probiert werden würde. (2 x „Ich mag keine weiße Schokolade.“ (!) 1 x „Ich esse keinen zur Zeit keinen Zucker“ (Es. Ist. Weihnachten.)) Tja, also mehr für mich.

6ce9dd68463e11e28e2022000a1cdd10_7

Hier das Dessert von Frau Feinschmeckerle das „Weißes Hüftgold“

 Nach dem Essen konnte ich ein bisschen mit meiner 8-jährigen Cousine, die ich leider viel zu selten sehe, spielen. Nach ein paar Runden Uno, MaunzMaunz und Rummikub gab es dann schon die Bescherung. Wie gut meine zwei verschenkten Bücher „Die Pop-Up  Girls – Abenteuer im Papierland“ und „Ottoline und die gelbe Katze“ jetzt wirklich bei meiner Cousine angekommen sind, muss ich wohl erst noch erfragen, ihre ganze Aufmerksamkeit richtete sich nämlich auf ihr neues Schminkkästchen.  Dafür kam mein Fotobüchlein für alle sehr gut an. Werde wohl auch in nächster Zeit vor allem persönliche (Foto-)Geschenke unter die Leute bringen, das sieht man die Freude richtig. Ich bekam von meinen Eltern einen silbernen Schmuckbaum. Das Ding ist ja ganz schön anzusehen und auch praktisch, aber wie bei den meisten Geschenken meiner Eltern eigentlich ein wenig unnötig. (Oder wie eine Freundin es formulierte: „Ein Schmuckbaum? Das brauchen doch nur Püppchen und Heimchen.“) Und dann war der Heilige Abend auch schon wieder vorbei. Trotz all dem Stress war es wirklich schön, mal wieder alle zu sehen und mal wieder die gleichen Geschichten zu hören. Meine Eltern fuhren am nächsten Vormittag und nahmen zum Glück einen Großteil des Essens mit.

Von meinem Freund hatte ich bereits am 24. nachmittags das überhaupt beste Geschenk bekommen: eine lilane Ukulele! Ich übte ein bisschen herum und konnte dank einiger Youtube-Tutorials nach nicht mal einer Stunde schon „Bruder Jakob“ zupfen.

Foto 24.12.12 17 00 12

„You can play the ukulele too it is painfully simple
Play your ukulele badly, play your ukulele loudly“

Mein Freund feierte mit seiner Familie Weihnachten. Am ersten Weihnachtsfeiertag fuhr ich mit der restlichen Weihnachtsnachspeise zu ihnen. Dort gab es natürlich auch noch mal das volle Menüprogramm mit Petersilienwurzelsuppe, Französischen Kartoffeln, blanchiertes Gemüse, irgendwas Fleischigem und andere Leckereien, die das zu mir genommene Fett wohl schon wieder aus meinem Hirn verdrängt hat. Und mein Nachtisch schmeckte auch allen. Ein indisches Kochbuch, eine Kraken-Haarschleife und ein paar Badepinguine fanden über den Umweg des Christkinds (beziehungsweise des Weihnachtsmanns, Santa Claus und des fliegenden Spaghettimonsters) auch noch zu mir.

Es war ein sehr schöner Tag mit viel Gemütlichkeit, gutem Essen und einigen Rummikub-Partien. Zwischendrin kam noch ein bisschen mehr Familie mit zwei wunderbaren und tobenden Kindern. Besonders schön dabei war der erste Satz der 4jährigen an mich „Dich kenn ich noch. Dir hab ich auf den Schoß gepupst!“

acecded04f5b11e2a73522000a1faf50_7

Regenbogen über Schwabing

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es abends zu einer Freundin zum gemeinsamen Depp/Burton-Filmabend. Auch hier sollten wir keine Gelegenheit für aufkommenden Hunger haben: es gab schließlich Käse-Fondue. Zu fünf sahen wir zuerst Dark Shadows und dann noch Ed Wood. Dark Shadows habe ich zum ersten Mal gesehen, fand ich ganz gut, halt sehr burtonesk. Ich empfand nur die Charakterentwicklung eher mau und meines Erachtens wurde viel zu viel (potenziell gute) Geschichte in zu wenig Zeit gestopft (7/10). Ed Wood mag ich, weil er abgedreht ist und Bela Lugosi (alias Martin Landau) drin hat (7/10). Dazwischen kam es noch zu einer kleinen Geschenkübergabe, jetzt kann ich auch endlich anfangen, Neil Gaiman und auch wieder mehr SciFi zu lesen.

Gerade die beiden Feiertage fand ich sehr gemütlich und entspannend.

Ich habe das Gefühl, mit immer mehr Abstand zu meiner eigenen Familie diese objektiver und „realistischer“ sehen zu können (wenn das überhaupt geht). Nehme ich mal meine Eltern da weitestgehend raus, fühle ich mich mit den Restlichen nicht wirklich verbunden oder erfahre von ihnen irgendwelche Gefühle. Das mag natürlich daran liegen, dass wir uns nicht so häufig sehen, andererseits ist meine (deutsche) Familie auch einfach nicht besonders „herzlich“ oder trägt das Herz einfach weniger auf der Zunge. Das soll gar nicht so böse klingen, ich glaube, das ist bei mir einfach ein erweiterter Abnabelungsprozess und die Erkenntnis, dass es mir wahrscheinlich in der Wahlfamilie besser geht als in der Herkunftsfamilie.

Nach einem Ruhetag um sich vom ganzen Essen erholen zu können, ging es dann zu einem Freund zum Looper gucken und Pizza essen. Eigentlich kann ich gar nicht so genau sagen, wie ich Looper fand, da ich die ersten 20-30 Minuten damit verbrachte mich an den HD-Fernseher zu gewöhnen. Ich weiß nicht genau woran es lag, aber es wird wohl die Mischung aus digital und in HD gedrehter Film + HD-Fernseher sein, der mir den Einstieg so schwer machte. Kameraschwenks die ruckelig und viel genauer wirken als ich das gewohnt bin, führen bei mir nicht zu einem „Uh, das ist ja voll nach der Wirklichkeit aus“ sondern eher zu Kopfschmerzen. Dieses schärfer als die Realität muss ich wohl nichts angucken. Dem Argument der Freunde, dass man sich daran ziemlich gewöhnt, möchte ich erst mal nicht glauben. Aber wer weiß, vielleicht muss ich ja in zwei Jahren über diesen Eintrag schmunzeln… Lopper jedenfalls fand ich soweit aber ganz gut. Ich mag es ja immer Filme zu sehen, von denen ich noch gar nichts weiß und so grübelte ich die erste Zeit zusätzlich drüber nach, ob das jetzt eigentlich wirklich Joseph Gordon-Levitt ist oder einer anderer Schauspieler, der ihm aber wirklich sehr ähnelt. Ich freue mich schon darauf, den Film in einigen Monaten noch mal ohne HD-Krams anzusehen und vergebe bis dahin 8/10.

Am vorletzten Tag des Jahres fuhren wir nach Bad Füssing zu der Oma des Freundes. Mit Schwiegerschwester und Schwiegerschwesterfreund ging es dann ins Thermalbad. Man möchte ja nicht meinen, dass es dort einen Tag vor Silvester so zugehen kann, aber es war halt auch Sonntag. Überall war es voll, außer im „kalten“ 28° Wasserbecken. Dort trauten sich nicht so viele Kurgäste rein, also konnten die Schwiegerschwester und ich dort wieder den Luxus eines leeren Beckens zum ausgiebigen Schwimmen nutzen. Danach ging es dann noch für einen kurzen Abstecher auf den noch geöffneten Weihnachtsmarkt. Rechtzeitig zum Tanz der Haberer und der Druden trafen wir ein, konnten sie in der Menge noch gerade so sehen und spazierten noch ein bisschen übder den restlichen Markt. Anschließend machten wir uns ausgehungert über das leckere indisch angehauchte Reis-Gemüsegericht her.

Foto 31.12.12 18 03 26

Mein Silvesteroutfit. (Schwererkennbar: der passende graue Glitzernagellack)

Am 31. feierten wir in einer sehr netten Runden bei der Depp/Burton-Filmabend-Freundin und ihrem Mann Silvester. Besonders schön dort war, neben dem leckeren Käse-Spinat-Fondue, allerlei Salaten und der mitternachtlichen Käseplatte, der Ausblick. Man kann von dem über zwei Stockwerke reichenden Fenster aus auf fast ganz München gucken. Zumindest auf die wichtigen Stadtteile. Ganz links sieht man noch den Olympiapark (welcher wiederum ja mein Aussichtshighlight daheim ist), dann Schwabing/Maxvorstadt, die komplette Innenstadt, rechts dann noch die Au und Giesing. Und überall Feuerwerkelts vor sich hin. (Ich bin ja ein großer Feuerwerk-Aktiv-Gegner und noch größerer Feuerwerk-Passiv-Genießer. Solange ich nicht mittendrin stehen muss, finde ich die Blitze, Farben, das Zischen und Sausen ja super.) Glücklicherweise konnte ich ein paar Tage zuvor die letzten drei vorrätigen Bleigieß-Sets in einer Drogerie abgreifen und so konnte das traditionelle Zukunftsgießen auch veranstaltet werden. Allerdings habe ich dieses Jahr einen ganz lahmen Tropfen gegossen, der somit auch nicht den Weg in meine Bleigussformensammlung erhalten hat. Ein weiteres Highlight des Abends waren die Luftballons. Klingt jetzt vielleicht merkwürdig, aber man glaubt gar nicht, wie lange sich Erwachsene daran erfreuen können gegenseitig mit bunten, langen Luftballons abzuschießen. Das kann einige Zeit so gehen. Wirklich. Am Ende entstand auch noch ein bisschen Kunst daraus:

Foto 01.01.13 02 44 34

Das Luftballon-Statuen-Bild

Foto 01.01.13 02 42 02

Das Käseplattengelage mit obligatorischer Knabberbox und Resten des Bleigießens.

Da das neue Jahr ja so gut anfangen soll, wie das alte aufgehört hat, ging es am 1.1. direkt mal wieder zu Freunden zum Burger machen, essen und Vertigo gucken. Nach zwei Burger musste ich mich allerdings geschlagen geben und rollte den Rest des Abends stöhnend vor mich hin. Vertigo wollte ich schon lange mal angucken und freute mich schon darauf. Ich mag Hitchcock-Filme ja generell sehr gern und Vertigo zählt für mich zu einem der Besten. Die Atmosphäre, die typische Hitchcock-Suspense und der Plot-Twist veranlassen mich zu einer 9/10 Bewertung.

Spannend ging es weiter: am nächsten Abend ging es zu anderen Freunden zum Dexter-gucken. Inzwischen sind wir bei der siebten Staffel und wollten die restlichen vier Folgen gemeinsam zu viert ansehen. Dazu gab’s unser Standard-Dexter-Essen: Spätzle mit Soß! (In diesem Fall aber ohne Soße aber mit Käse.) Manchmal hat man so eine Verbindung zwischen Serien/Filmen und Essen. So ähnlich wie bei Musik und Orten vielleicht.

Die letzten Tage ging es hier wieder ein bisschen ruhiger zu. Abwechselnd gucken wir New Girl (meistens als Frühstücksserie) und Downton Abbey (als Mittags- und Abendessenserie). Beide sehr zu empfehlen. Ansonsten müssen wir beide noch viel für das Studium machen. Ich kann mich zur Zeit nicht so sehr dafür aufraffen und habe lieber schon einmal nach Stellenangeboten gesucht. Ein paar davon klingen ganz interessant. Nicht unbedingt das Feld, in das ich am liebsten gerutscht wäre, aber um in eine Beratungsstelle zu kommen, sollte mindestens 2-4 Jahre (Beratungs-)Erfahrung haben. (Woher ich die allerdings dann bekommen sollte, wenn ich nicht wieder zig Monate im Praktikum stecken möchte, weiß ich auch noch nicht wirklich.) Bis lang habe ich jetzt schon mal eine Bewerbung formuliert und mache mich demnächst daran alle Zeugnisse und Praxisbewertung einzuscannen. Am meisten Bammel habe ich jetzt schon vor den möglichen Bewerbungsgesprächen, aber wir werden sehen wie’s läuft…

Foto 01.01.13 04 21 22

Frohes Neues ❤

Advertisements

0 Responses to “Rauhnächte”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: