Strohwitwendasein

Ich versuche mal eine Zwischenbilanz nach drei Monaten allein Leben zu ziehen. Diese Woche kommt mein Freund nämlich wieder und bevor ich alles vergesse, muss ich da nochmal drüber nachdenken und ein bisschen was dazu aufschreiben.

Wie schon öfter hier erwähnt, studiert mein Freund dieses Semester ja in Nottingham. Das war für mich das erste Mal, dass ich länger am Stück alleine gelebt habe. Wir haben zwar einen Großteil der Zeit, in der wir beide zu Hause waren über Skype „miteinander“ verbracht, aber dennoch war ich eben allein. Nachdem meine Eltern ausgezogen sind (ja, hier war es der umgekehrte Fall), zog mein Freund sofort ein. Ich habe auch sonst keine längere Zeitspanne, außer vielleicht mal ein Wochenende alleine hier verbracht. Es war für mich also auf jeden Fall eine Umstellung.
Mein Freund äußerte immer mal wieder den Wunsch nach einem Auslandssemester, ihn würde es sehr interessieren und für sein Studium wäre es ja fast vorgeschrieben. Gegen den Gedanken habe ich mich innerlich sehr gewehrt, ich wollte einfach nicht so lange Zeit von ihm getrennt sein. Aber natürlich geht man in Beziehungen immer wieder Kompromisse ein und ich versuchte mir das Ganze schön zu reden. „Wenn du weg bist, dann kann ich…“ Zum Glück sind es dann nur 3 1/2 Monate geworden. Zur Auswahl standen nämlich auch noch 6 oder 9 Monate.
Ich wusste ja auch eigentlich schon wie es wird, Fernbeziehung kenne ich ja schon zur Genüge. Allerdings war ich zuvor trotzdem nie so ganz alleine hier. Davor hatte ich auch am meisten Angst: wie wird es, auf sich alleine gestellt zu sein, nur für sich zu kochen, niemanden zum ständigen Austausch da zu haben, die Nächte (und das nächtliche Knacksen und Knistern der Wohung) allein verbringen zu müssen?

In den ersten eins, zwei Wochen ging es mir öfter nicht so gut. Ich hatte das Gefühl in ein Loch zu fallen. Fallen, immer wieder. Mal mehr, mal weniger tief. Ich habe lange geweint in den ersten Nächsten, weil ich das Gefühl hatte total alleine zu sein. Die Entscheidung zum Auslandssemster konnte ich logisch schon nachvollziehen und finde es auch gut, dass er die Chance ergriffen hat, dennoch habe ich mich irgendwie verlassen gefühlt. Mit der Zeit wurde es dann aber wieder besser. Das Semester hat angefangen, ich hatte was zu tun und habe mich öfter mit Freundinnen getroffen. Aber ab und zu kam wieder diese Einsamkeit, die eben durch kein Skype-Gespräch der Welt wieder wegging. Eher scherzhafte Gedanken wie, „wenn du jetzt sterben würdest, wann würde es jemanden auffallen?“ kamen ab und zu, wurden aber schnell weggeschmunzelt.Im letzten Monat ging es mir dann eigentlich ganz gut, der Alltag hat sich eingespielt. Ich kann Essensportionen schlecht abschätzen, koche also immernoch für zwei und hebe mir den Rest für nachher auf (manchmal esse ich den dann sogar). Alleine den Haushalt zu machen geht auch irgendwie, obwohl mir da schon jemand fehlt, der einfach da ist, für den (und mit dem) man das macht. Mich stört so ein voller Tisch/Spüle/Wäschekammer ja nicht. Deshalb habe ich auch manchmal Freunde eingeladen, dann muss man ja ein bisschen aufräumen und so. Manchmal habe ich es auch echt genossen, nach einem stressigen Tag nach Hause zu kommen und einfach allein sein und völlig abschalten zu können. Außerdem konnte ich endlich in Ruhe die Bilder für die zu gestaltende Wand aussuchen, rahmen und anbringen. Durch undurchdachtes Skype-Bildschirm-Drehen wird das leider keine Überraschung mehr sein, aber immerhin habe ich die Wohung weder unter Wasser oder in Brand gesetzt, noch andere größere Schäden verursacht. Und am Freitagabend ist dann auch die Wohung sonst wieder komplett und wir können einen Monat zusammenverbringen, bevor er dann nochmal für zwei, drei Wochen rüberfliegen muss. Und dann war’s das hoffentlich mit der räumlichen Trennung.

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Weil doch kein Eintrag ohne ein Bild auskommt: Erweiterbare Wohnzimmerwand

Als ich mich letztens mit dem Ex-Freund (aus der oben genannten Fernbeziehung) darüber unterhielt, meinte er: „Da haben sich echt Zwei gefunden. Also wenn ihr euch echt beide so aufeinander eingeschossen habt, dass jeder bei sich irgendwie Kompromisse für den Anderen macht, ohne dass es überhaupt ein Kompromiss zu sein scheint… ist das glaub ich echt ne gute Sache“ Das ist es. Und ja, es hat einen Sonderstatus, wenn er das schreibt.

(So kurz vor Weihnachten kann man schon mal so einen kitschigen Text schreiben, oder?)

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