Vienna (AFP-Konzertreise pt.2)

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So, es geht also weiter: ich sitze immer noch im Zug.

Bei jeder Durchsage schrecke ich hoch, bei Zwischenhalten gucke ich mal schnell raus und verkrieche mich dann wieder unter meine Kapuze. Glücklicherweise ist der Zug recht leer und so kann ich mich auf zwei Sitzplätzen ausbreiten. Irgendwann, viel zu früh, muss ich in Würzburg umsteigen. Da der Anschlusszug sowieso verspätet ist und ich noch massig Zeit habe, gucke ich mir den Bahnhof an. Eigentlich habe ich auch gar keinen Hunger, aber dann sehe ich eine Pizza Hut-Werbung und bekomme sofort Lust auf was fettiges. Tja, leider gibt es früh morgens in allen vier Bäckerei-Filialen nichts ansprechendes. Wieder im Zug nehme ich mir wieder einen Doppelsitzplatz und kann doch noch ein wenig schlafen.

Am Wiener Westbahnhof soll ich eigentlich abgeholt werden. Ich gucke mich ein bisschen um und sehe nur eine Person mit so einem Abholschild und denke mir noch, wie nett das wäre, so begrüßt zu werden. Ich gucke also noch ein bisschen weiter und gehe den Bahnsteig entlag. Die Frau mit dem Schild lächelt mich an und ich lese erstmals das Schild:

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(Danke an Petra für das nachträgliche Fotografieren)

Ich freue mich wahnsinnig. Das ist also die Petra und sie hat extra für mich so ein Schildchen gebastelt. Die Petra kenne ich über Twitter und hier wiederum über die Linda. Ich finde es immer super interessant Twittermenschen zu treffen, die man davor ja quasi schon „kennt“ und mag. Das Bild, dass man sich so über die Personen gemacht hat, stimmen erstaunlicherweise meistens sehr genau und man findet sofort bequatschbare Themen. Ich mag das sehrsehr gern. Die Linda traf ich im Sommer schon einmal zum Burgeressen in München und hab sie sofort ins Herz geschlossen.

Da die Linda aber erst später ankommt, fahren wir erstmal in Petras tolle Wohnung und liefern mein Gepäck ab. Danach geht es in Richtung Innenstadt zur fachkundige Touristenrumführung.

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Ein Herz für so schöne alte Ladenschilder und Kruschläden.

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Letztes Jahr war ich zusammen mit meinem Freund bereits schon einmal in Wien und fand die Stadt auf Anhieb wunderschön. Wie sollte es anders sein, sind wir natürlich auch wieder wegen eines Amanda-Konzerts verreist. Damals war es Anfang September und ziemlich heiß. Ich erinnere mich da zum Beispiel an einen wunderschönen und unbeschreiblich heißen Ausblick von der Gloriette über die Stadt.

In der Innenstadt (oder was ich als diese wahrnehme) schlendern wir rum, mir werden Anekdoten zu einzelnen Gebäuden oder einfach zu Wien an sich erzählt und ich freue mich erst mal wieder da zu sein und das auch noch mit so einer lieben Begleitung.

Auf den Weg gibts auch noch ein wunderbares Eis. Die Sorten Graumohn und Pferdeapfel (Schokoeisbälle mit Pistazienstückchen) kann ich wirklich nur sehr empfehlen.

Nach ein bisschen mehr rumspazieren landen wir in einem netten Cafe. Dort gibts eine indische Linsensuppe, die uns wieder aufwärmen soll.

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Als es Zeit wird, uns mit der Linda zu treffen, holen wir mein Gepäck ab und fahren zu meiner eigentlichen Dach-über-dem-Kopf-Geberin. Dort sitzen wir noch gemütlich zusammen und plaudern. Die Petra verabschiedet sich und wir beschließen auch bald darauf ins Bett zu gehen – immerhin ist morgen Montag.

Ich liege auf Lindas weichen, warmen Sofa, höre zum ersten Mal seit Tagen einfach nichts und kann mich entspannen. Ich schlafe super gut und wache einigermaßen erholt auf. Da Linda zur Uni muss und ich mich eh noch ein bisschen in der Stadt rumtreiben will, gehts nach einem kräftigendem Frühstück raus.

Wir fahren noch ein Stück gemeinsam, den restlichen Weg ins Belvedere habe ich mir von Linda beschreiben lassen. So finde ich das Schloss dann auch schnell und bin erst mal beeindruckt, dass da einfach so ein Schloss mit Park und allem drum und dran eigentlich mitten in einem Wohnviertel steht.

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Der Blick von der Oberen Belvedere auf das Untere. Wunderschöne Parkanlage unter grauem Himmel.

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Das Wetter ist grau und ungemütlich, bei Sonnenschein würde es mir sicher besser gefallen. Aber so brauche ich mich auch nicht lange in den Parkanlagen aufhalten und geh gleich rein. Zum Klimt. Ich liebe ja Klimt. Dieses Losgelöste, die Frauen und das Gold. Also gehe ich auch zielstrebig gleich auf die Klimt-Sonderausstellungs-Etage und nehme erstmal den falschen Eingang. Darauf werde ich dann auch gleich von einem engagierten Museumsangstellten in Englisch hingewiesen. Er ist so nett und ich kann einfach nicht anders, als auch auf Englisch zu antworten. Ich bin ja schließlich in einem anderen Land und finde es interessant, auch gleich als Touristin wahrgenommen zu werden.
So, aber jetzt zum Klimt. Erst mal finde ich den Aufbau der Ausstellung sehr gut: sie beginnt mit den Anfängen von Klimt in seinen Ausbildungsjahren. Werke von ihm, aber auch von Franz Matsch und Klimts jüngeren Bruder Ernst hängen nebeneinander. Diese ähneln sich noch sehr, bis hin zu exakt gleichen Abbildungen, nur aus einer etwas anderen Perpektive. Im Mueseum darf man nicht fotografieren, also versuche ich mir Lieblingsbilder ganz gut einzuprägen und mir auf jeden Fall die Titel zu merken. Über monetähnliche Blumen- und Landschaftsbilder (dazwischen auch der echte Monet und Egon Schiele) und Porträts gehts dann aber immer mehr in Richtung Klimt-wie-man-ihn-kennt. Die Wände sind versehen mit Zitaten aus der Zeit, von Beobachtern oder Klimt selbst, passend zum Raum. Ein Raum ist den großformatigen und bekanntesten Klimt Bildern gewidmet. Der Kuss auf der einen Seite, Judith und die Wasserschlangen auf der anderen. Der Raum fängt mich sofort ein. Leider auch noch einige andere Personen, sodass ich nach eingehender Aufsaugphase dann auch wieder weitergehe. Neben den Bilder berühren mich am meisten die handgeschriebenen Gedichte, Fotos von Klimt mit seiner Familie und die Todesanzeigen für Schiele und Klimt.

Den Rest des Schlosses gucke ich mir im Schnelldurchlauf an. Einerseits weil ich jetzt eh schon bis oben hin mit Klimtkunstliebe voll bin und mich das restliche nicht mehr so interessiert, andererseits habe ich für den kompletten Rundgang auch nur zwei Stunden Zeit. Während ich so durch die restliche Ausstellung laufe, verspüre ich den Drang doch wieder zu Klimt zurückgehen und dort die verbleibende Zeit zu verbringen. Das mache ich dann aber doch nicht und gucke mir weiter alles an.

Das Gebäude an sich ist aber auch wunderschön. Schöne Decken mit Stuck oder komplett ein-freskosiert. Überall viel zu sehen.

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Besondere Highlights: Natürlich der special Klimt-Raum mit den bekanntesten Werken. Aber auch von Franz Matsch finde ich ein paar wirklich beeindruckend. Zum Beispiel: Leonardo da Vinci playing chess with his muse in einem wunderschönen Rahmen. Von den anderen Ausstellungen fand ich noch den Admiral Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa II  von Anton Romako und die böse Mutter von Giovanni Segantini ganz toll. Das Bild, vor dem ich allerdings am längsten  stehen bleibe, ist Die Medizin von Klimt. Das habe ich so noch nie im Ganzen gesehen. Und es gibt so viel zu entdecken. Und hach.

Nach einem kurzen Abstecher in den Museumsshop (es gibt sogar Klimt-Aufklebe-Tattoos!), treffe ich mich mit der Linda. Bei der Hinfahrt ist mir der Plattenladen, in dem die Amanda später ihren Instore-Gig spielen soll, aufgefallen, da ein komplettes Schaufenster mit ihren pinken Plakaten zugekleistert war. Mittlerweile wurde allerdings über Twitter bekannt gegeben, dass der Gig ausfällt, das abendliche Konzert dafür aber stattfinden wird. Als ich diese Neuigkeit von der Linda gesagt bekomme, fällt mir doch wieder der Plattenladen mit seinen Unmengen an Postern ein. Kurzerhand machen wir einen kleinen Umweg und stauben wirklich zwei Amanda-Plakate ab. Dann geht es zum Burgeressen.

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Super leckere Burger im Smokey’s.

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Nach der ausreichenden Sättigung mit Burger, Pommes, Salat und vielen leckeren Saucen geht’s weiter zum Shoppen. Meine reizende Begleitung hat leider nur eine kurze Uni-Pause und so reicht die Zeit zu zweit nur zu einem schnellen Sprung in den Forever 21. Es wird Ausschau nach Glitzerkram für das Konzert gehalten. Leider werden wir nicht fündig und müssen uns erst mal wieder verabschieden. Auf eigene Faust gucke ich noch ein bisschen weiter, gucke in Geschäfte rein, erkunde Seitenstraßen, lande in engen SecondHand-Läden und finde dann doch nichts. Außer einer praktischen Tasche in schwarz und blau. In die kommt dann auch gleich der ebenfalls erstandene Wein für das spätere Konzertvorwärmen rein. Irgendwie finde ich zum Museumsquartier und kann von da aus zur Linda fahren.

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Dort angekommen und bereits konzerttauglich umgezogen, finden sich dann auch bald die Hanna und die Lisa ein und wir essen leckersten Fisolensalat, Paprikasalat und Fladenbrot. Hanna und Lisa kenne ich auch bereits über Twitter, aber es ist sehr toll, sie näher kennenlernen zu können.

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Mein Pailetten-Glitzer-Netz-Oberteil mit mehrlagigem Rock (schwer zu erkennen, ich weiß)

Gemeinsam brechen wir dann zum Konzert auf und treffen auf dem Weg noch auf Petra und Lisa. In der Arena angekommen, beginnt dann auch schon die erste Vorband, Jherek Bischoff. Linda und ich versuchen uns einen Weg nach vorne zu bahnen. Jherek ist wie auch schon in Köln einfach gut und beim zweiten Mal hören sind die Songstrukturen noch ein bisschen eingänglicher.

In der Umbaupause kündigt Amanda eine chinesische Tänzerin an, die dann auch die nächsten ~20Minuten tanzt. Wobei es ein sehr langsamer Tanz ist und das alles ist völliger Stille stattfindet. Die Tänzerin scheint wie in Trance, ihre Bewegungen erinnern an eine Art sehr langsames Tai Chi. Das Zusehen ist anstrengend. Vor allem wenn man, wie wir zu diesem Zeitpunkt auch, wenig von der Bühne sehen kann und still sein soll. An sich ist die Performance interessant, aber es ist einfach nicht der passende Rahmen dafür. Ein Rockkonzert auf dem man über längere Zeit steht, ruhig sein und zugucken soll, funktioniert irgendwie nicht so ganz. Was mich dann aber doch wieder sehr berührt: nach der Performance kommt Amanda auf die Bühne und umarmt die Tänzerin lange. Das ist so ein „Auch wenn ein paar zwischendurch geklatscht haben und es ihnen vielleicht nicht so gefallen hat, ich fands super und du warst toll“-Zeichen.

In der weiteren Pause moggeln wir uns weiter vor bis wir eine gute Sicht haben und dann auch schon in der dritten Reihe stehen.

Die nächste Band ist Chads The Simple Pleasure. Auch die fetzen wieder richtig gut. Die Musik ist sehr tanzbar, aber irgendwie bleibt das restliche Publikum eher steif. Welches kleine Detail ich noch sehr schön und bezeichnend für das gesamte Grand Theft Orchestra finde: während des Simple Pleasure-Auftritts rutscht Chads Mikroständer zur Seite, er singt halt einfach in die Knie gehend weiter, es sieht gewollt aus. Aber Jherek, der sich ja immer auch alle Vorbands von der Seite aus mitansieht, geht auf die Bühne und richtet den Ständer wieder gerade und man sieht, wie froh Chad darum ist. Hach so eine Bandfamilie.

In der nächsten Umbaupause wird Neil Gaiman rausgeschickt. Autor und Ehemann von Amanda soll er doch mal ein bisschen was vorlesen, wenn er schon da ist. Er liest zwei wunderbare Kurzgeschichten vor. Die erste fand ich schon ziemlich gut und witzig. Die zweite entlockte mir ein paar Tränen, weil sie einfach so schön ist. Hier sind beide:

Anschließend ist es dann soweit, Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra kommen auf die Bühne. Schon nach den ersten Minuten merke ich den größten Unterschied zum Köln-Konzert: Amanda hat wieder Power. Natürlich ist sie immer noch ein bisschen angeschlagen, aber das ist kein Vergleich zum vorherigen Konzert. Sie schreit und springt und tanzt und rockt. Die Setliste ist so ziemlich die gleiche wie in Köln. Der eindeutig schönste Konzertmoment war für mich bei Bottomfeeder.Hier ist mal ein ganzes Konzert aus New York. Ab Minute 1:15:30 sieht man Bottomfeeder:

Der Moment, kurz bevor sie in die Menge springt, ihren Blick auf die vor ihr stehenden Zuschauer richtet und sich vergewissert, ob die eben auch „bei ihr“ sind und dann einfach so voller Vertrauen in die Menge springt, das war einfach unbeschreiblich. Ich wusste ja schon ungefähr was gleich kommt, aber es war so intensiv. Und dann ist ihr Bauch auf einmal in meinen Händen und ich gehe ein bisschen in die Knie, weil der Sprung schon auch kräftig ist. Und dann wird sie auch schon wieder weitergetragen. Die Stoffbahnen ihrer Jacken liegen noch länger über unseren Köpfen und bedecken uns wir ein Zirkuszelt oder ein Schwungtuch. Wir sind alle gemeinsam darunter, gucken uns glücklich an und versuchen in der Menge Amanda ausfindig zu machen. Ein Gänsehautmoment.

Ein weiterer Unterschied zu Köln ist auch noch, dass hier im Hintergrund eingeschickte Fan-Fotos zu den jeweiligen Songs eingebelendet werden. Im Vorfeld zu den Konzerten konnte man nämlich sieben Fotos zu jeweils einem Thema auf ihrer Internetseite hochladen. In vielen Konzertlocation funktioniert das allerdings nicht, da kein Beamer, keine Leinwnad oder schlichtweg der Platz dafür fehlt. Die Fotos werden sehr schnell hintereinander gezeigt und passen manchmal exakt zur Musik. Ich habe keine Fotos eingeschickt, so kann ich das Ganze „gelassener“ verfolgen. Ein Detail, dass ich auch noch sehr interessant finde: Für das Cover zu In my Room von Yazoo nimmt Amanda ihre vorgelesen Antworten der Fans zum Thema „something bad oder sad happend in my room“ auf. Vor dem Konzert stand ein Kästchen für die Antworten parat, so konnte jeder seine Geschichte erzählen. Diese Aufnahme wird dann während dem eigentlichen Song auch noch dazu eingespielt. Manche dieser Einblicke sind wirklich sehr traurig, andere hingegen wieder komisch, that’s life.

Ansonsten ist es noch ganz schön, als der Neil nochmal auf die Bühne kommt und zusammen mit der Band Psycho singt:

Das war ungefähr so.

Das Konzert war ziemlich wirklich sehr gut, nur leider wie immer viel zu kurz. Als Zugabe gibt es noch ein mal Want It Back von der Empore aus gesungen mit Mitklatschen und Stampfen und Singen. Und dann ist es auch schon wieder vorbei. Hier die komplette Setlist.

Wir warten noch ein bisschen, ob die Band vielleicht nicht doch noch zum Signieren rauskommt. Immerhin habe ich tapfer mein zuvor erkämpftes Amanda-Plakat dabei und so eine Unterschrift darauf wäre auch nicht verkehrt. Aber die letzte U-Bahn wartet eben auch nicht und so sammeln wir uns wieder ein. Petra und Lisa sind schon gefahren, also fahren wir wieder zu viert total europhirisiert zurück.

Die letzte Nacht vergeht dann auch irgendwie ganz schnell und schon muss ich mich wieder am Westbahnhof von der Linda verabschieden.

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Die Konzertreise fand ich wunderschön, sie war auch ein bisschen anstrengend, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. So viele tollste Menschen findet man ja auch nicht so leicht alle Tage.

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