Filmaufnahme (Spoilerfrei!)

Ich denke in letzter Zeit viel darüber nach, wer wie Filme guckt und wie man diese findet.

An sich glaube ich nämlich nicht, dass man irgendein „Filmwissen“ benötigt um verschiedene Filme zu sehen oder verstehen zu können. Manche Filme besitzen allerdings eine krasse Wirkung auf die Zuschauer. Auch wenn das, was man sieht völlig harmlos ist, also nichts mit Horror oder Thriller zu tun hat.

2001 ist zum Beispiel so ein Film.

Letztens haben wir daraus einen Ausschnitt in der Uni angesehen. Es ging um Zukunftsprognosen. Ich finde gerade bei diesem Film ist fatal nur einen Ausschnitt von 20 Minuten zu zeigen, aber natürlich hatten wir keine 2 1/2 Stunden Zeit und es ging ja auch nur einen kleinen Aspekt des Ganzen. Trotzdem haben die meisten den Ausschnitt irgendwie nicht verstanden und fanden ihn total langweilig. Die Geschichte entwickelte sich eben sehr langsam bis gar nicht. (Nach der Szene wurde ich wirklich von anderen gefragt, welche Drogen ich genommen hätte, um das gut zu finden.)

Dazu könnte man wahrscheinlich sagen, dass sich die Sehgewohnheiten in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert haben und wir es einfach nicht mehr gewohnt sind ewig lange Einstellungen, langsames Schnitt-Tempo und Aufbau auszuhalten.

Also ich liebe 2001 ja. Bei diesem Film kann ich es aber noch am ehesten nachvollziehen, warum ihn Leute nicht so gut finden. Er ist halt schon ein bisschen extrem. Natürlich ganz anders „extrem“ als beispielsweise Antichrist. Den finde ich auch genial, kann aber einigermaßen verstehen, warum Leute während der Vorstellung den Saal verließen (und das bei der Premiere in Cannes!).

Ein anderes Beispiel wäre The Tree of Life von Terrence Malick. Ich konnte es nicht verstehen, wie Leute während diesem Film aus dem Kino gingen. Ich war so ergriffen von diesem Film und mir liefen die Tränen nur so runter und andere gingen einfach raus.

Das jüngste und eindrücklichste Beispiel für kontroverse Filme ist für mich Holy Motors. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das ganz schnell nachholen. Und ihn dann entweder lieben oder hassen. Anscheinend gibt es nichts dazwischen. Ich sah diesen Film im Rahmen des Filmfests München und fand ihn sofort super. Gute Filme schaffen es, den Zuschauer vor eigene Fragen zu stellen, vor den Kopf zu stoßen und auch ein bisschen zu überfordern. Man muss das gesehene ja nicht sofort verstehen. Und alle eigenen Interpretationen sind ja sowieso richtig. Der Film ist für mich total sinnig, auch wenn ich fehlende Fragmente für mich ergänzt oder logisch gemacht habe. Und dann empfiehlt man so einen Film seinen Freunden, die gehen voller Vorfreude rein und kommen wütend wieder raus. Das irritierte mich nachhaltig. Aber immerhin kamen wir im gemeinsamen Gespräch dann doch darauf, dass ein Film, den man wirklich „hassen“ kann, doch irgendwas haben muss. Man findet ihn eben nicht nur doof und langweilig, sonder ist sauer auf ihn und den Regisseur.

Ich glaube nicht, dass man ein bestimmtes Wissen dafür benötigt, diese Filme zu sehen. Vielleicht einfach ein bisschen Offenheit und den Willen sich auf etwas anderes einzulassen.

Als ich in letzter Zeit so darüber nachgedacht habe, wollte ich, dass alle Menschen in meiner Umgebung diese drei Filme anschauen und sie danach beurteilen. Ich wüsste gerne, ob man daraus (also aus der Beurteilung der Filme und den sonst bevorzugten Filmen) irgendwas ableiten oder irgendwas erkennen kann.

(Ich würde ja gerne näher auf die einzelnen Filme näher eingegangen, vor allem auf Holy Motors. Aber da ich diesen Eintrag spoilerfrei halten möchte, klappt das leider nicht… Ansonsten noch der Hinweis: guckt diesen Film!)

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2 Responses to “Filmaufnahme (Spoilerfrei!)”


  1. 1 MindlessKronos 24. November 2012 um 13:52

    Offenheit und Willen brauchts, das seh ich auch so. Viele Menschen gehen mit einer zu festen Erwartungshaltung an Filme und wenn ein Film sich nicht an das übliche Hollywood-Schema hält, sondern eine eigene Sprache spricht, dann muss man sich darauf einlassen können. Wenn man das nicht macht und mit der Einstellung ins Kino geht, alles verstehen zu müssen, wird man unsicher, fühlt sich überfordert, zweifelt an sich selbst, regt sich darüber auf und stempelt den Film dann oft als schlecht ab. Lässt man sich auf ihn ein und ist offen für die Gefühle, Emotionen, Gedanken und Assoziationen, die durch die Bilder bei jedem ganz individuell erzeugt werden, dann kann man unglaublich viel daraus ziehen.


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