Cologne (AFP-Konzertreise pt.1)

Wie ich ja eigentlich am liebsten verreise: Konzertreisen in andere Städte.
Man sieht ein bisschen was von der Stadt, hat den Nachmittag Zeit zum wandern, gucken oder shoppen und abends gehts dann zur Musik. Eigentlich möchte ich auch gerne auf Tour gehen, als Zuschauer. Jeden zweiten Tag in eine andere Stadt schlendern und zuhören.
Letzten Freitag gings mal wieder los. Zuerst von München nach Köln, von Köln nach Wien und wieder nach München.
Zu sehen gabs Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra. Das neue Album (beziehungsweise das erste in dieser Besetzung) kam Anfang September raus und ist wirklich gut. Natürlich anders The Dresden Dolls oder Amanda Palmer solo, aber eben richtig gut. Still und intensiv, laut und tanzbar, aber eben immer mit Herz und Tränen und Lachen.

Einen guten Eindruck bekommt vielleicht durch The Killing Type (ein Mitlieblingslied des Albums):

2008 hat mir ein damaliger Freund, heute bekannt als „der Freund/Mitbewohner/Herzensmensch“, Amanda Palmer beziehungsweise The Dresden Dolls gezeigt und ich fand gut. Und immer besser. Und dann liebte ich die Musik. Und ihn. 
Die Musik verbindet uns also sehr und wir sind schon öfter zusammen zur ihren Konzerten gereist. Durch das Auslandssemester konnte er leider nicht mit und ich beschloss allein auf zwei Konzerte zu fahren. Strategisch einigermaßen geschickt wählte ich ein Samstags- und ein Dienstagskonzert in Köln und Wien aus. 
In Köln war ich noch nie, Wien wurde bei der letzten Amanda-Tour schon ein mal besichtigt und für sehr schön gefunden.
Die Zugtickets buchte ich auch schon Ende August um noch an die Spartickets zu gelangen. Vor allem wollte ich über Nacht fahren damit die Fahrtzeit auch genutzt werden konnte. Wenige Tage vor der Reise guckte ich zum Glück nochmal die Verbindungen durch und bemerkte, dass ich doch noch eine Übernachtung in Köln benötigte, da mein Zug Freitag Nachmittag ankam, ich aber erst Sonntag (ganz in der) früh wieder fahren sollte. Nach vergeblichen CouchSurfer- und DresdenDolls-Forum-Gesuche, buchte ich doch ein Hostel in der unmittelbaren Nähe des Doms.

Letzten Freitag ging es also los. In meinen gerade noch rechtzeitig besorgten Handgepäckkoffer passte dann auch alles rein und de Fahrt ging los. Normalerweiße wäre mein ICE auch direkt nach Köln durchgefahren, da ich ja aber ein Sparticket hatte, musste ich in Mannheim in einen langsameren Zug umsteigen und eine Stunde später ankommen. Naja, immerhin hatte ich in beiden Zügen einen Sitzplatz, konnte lesen oder ein bisschen den Rhein und die Landschaft angucken.
Als ich Köln ankam war es schon dunkel und ich konnte nur noch den beleuchteten Dom fotografieren.

Nach einer Weile um den Dom umher irren im leichten Regen fand ich dann auch die Touristeninfo, einen Stadtplan und den Weg zum Hostel.
 Das Hostel ist wirklich zentral gelegen, mein Zimmer war nett und komfortabel. Meine vier Mithostlerinnen (zwei Amerikanerinnen und zwei Chinesinnen) waren auch ganz nett. Nachdem einchecken wollte ich mich noch ein bisschen in der Stadt umsehen. Der Hunger trieb mich in die Richtung der zuvor rausgesuchten Restaurants und nach kurzer Zeit stand ich auch schon vor dem Shake Zulu. Das afrikanische Restaurant ist mir vor ein paar Monaten im Blog von Anne Schüssler aufgefallen und bereits damals merkte ich es mir in foursquare vor. Das Restaurant ist wirklich hübsch, wirkt sehr authentisch und das Essen hat mich wirklich umgehauen. Ich probierte in einem Menü drei vegetarische Gerichte aus. Die Speisen wurden in kleinen Schüsselchen serviert. Es gab: eine afrikanische Linsensuppe mit Brot und Dip (der alleine schon zum Niederknien war), braune Bohnen in einer süßen Zwiebel-Tomatensauce, Kochbananen in Erdnusssauce und als Beilage Maisbrei. Jedes Gericht schmeckte für sich schon sehr gut, mischte man die verschiedenen Geschmäcker untereinander war es fast noch besser.


Im Uhrzeiger sind: Maisbrei, Kochbananen und unten die braunen Bohnen mit Zwiebeln.

In diesem süßen Schächtelchen befand sich die Rechnung, eine Visitenkarte und ein Erfrischungsbonbon.

Satt und sehr glücklich machte ich mich auf den Rückweg ins Hostel und ging dann auch bald schlafen. 
Am nächsten Morgen wollte ich mir zuerst nochmal den Dom genauer anschauen. Eigentlich bin ich ja nicht so der Kirchenmensch, aber diese mächtigen Bauten beeindrucken mich dann doch immer. Ich liebe es ewig nach oben gucken zu können, Deckenfresken und bunte Fensterchen anzugucken oder einfach nur zwischen sehr dicken und hohen Steinsäulen zu stehen. Also konnte mich der Dom gar nicht enttäuschen.


Danach habe ich mir die Hohenzollernbrücke mit all ihren Liebesschlössern mal näher angeschaut. Viele waren schön, einige sehr kitschig, manche sehr kreativ. Während ich an immer weiteren Metern dichtbehangter Gitter vorbeilief, habe ich mich natürlich unweigerlich gefragt, wie viele von diesen Schloss-Paaren oder -Freunden wohl noch zusammen waren. Naja, trotz allem (man versuche mal ordentliche Fotos mit eingeklemmten Regenschirm zwischen Schulter und Backe zu schießen) hat mich die Brücke doch wieder einigermaßen glücklich und beseelt zurückgelassen.

Ein kleines Suchbild: Wer findet das untere Schildkröten-Schloss auf dem oberen Bild?


Verliebte Piraten

Als nächste wollte ich mir eigentlich die nahen Museen anzugucken, aber es zog mich nicht so recht rein. Ich schaute mich lieber ein bisschen in den Mueseumshops um und verliebte ich mich sehr in einige wunderschöne Bildbände und Bücher, die ich aber aus Reisegründen nur ganz lieb anguckte und dann wieder weiter ging. Ich wollte mich, bummelnd durch die Stadt, schon mal in Richtung Instore Gig machen. Insgeheim war ich nämlich noch auf der Suche nach einer Glitzer- oder Paillettenjacke (am besten eine Kombination aus beidem!) für das Konzert selbst. Im TK Maxx (den ich übrigens nur aus Erzählungen oder von der Shoppingqueen-Sendung kenne) sollte ich dann auch fündig werden: eine richtige Jacke voller silberner Pailletten! Die 19,90 wollte ich dafür sogar ausgeben und sah mir das Teil nochmal genauer an… Die Marke „Dolce & Gabbana“ machte mich dann doch etwas stuzig und ich sah nochmal auf das Preisschild. Auf einmal wurden aus den netten 20€ das zehnfach und hing die Jacke dann doch relativ zügig wieder zurück. Ohne Diskohighlight streifte ich also weiter und war so mittel begeistert von den Einkaufsstraßen, diese waren an sich ganz schnuckelig, weil nicht so breit wie in München, aber es gab nicht wirklich neue und unbekannte Läden (natürlich, ich war ja auch in einer großen Einkaufsstraße und nicht in den Trend-Vierteln mit den schicken Boutiquen, gell).

Irgendwann gab mein treuer Begleiter den Geist auf. Die beste Investition: ein neuer (dunkelblauer!) Schirm

Ich schlenderte mit dem Stadtplan in der Hand umher und war mir meiner Orientierung ziemlich sicher und fand dann auch bald den (kaum zu übersehenden) Saturn. Drei Stunden bevor so ein Instore Gig losgeht würde bestimmt noch nichts los sein, aber ich wollte mich schon mal akklimatisieren, vielleicht noch eine unterschreibbare CD/DVD/Vinyl erstehen und danach in Wlan-Cafe.

Schon von ganz weit weg sah ich den Saturn und freute mich.


Drinnen stieß ich dann auf dieses Plakat

Das sah für den kurzen Gig wie auch für das abendliche Konzert eher schlecht aus, hätten aber auch nur Vorsichtsmaßnahmen sein können.
Wieder draußen erspähte ich an der Ecke eine Frau mit Ukulele und schlussfolgerte daraus einen Amanda-Fan vor mir zu haben. Ich blickte ihr ins Gesicht und tada: ich kannte sie sogar! Das war ja die Anne, mit der ich mich bereits zufällig über Twitter über den Gig unterhalten hatte. Wir warteten noch auf ihre Freundin Zoe und saßen uns in eine Bäckerei in der Nähe.
Immer noch reichlich früh, aber schon mit ein paar eventuellen Amanda-Hörern mehr ausgestatten, spazierten wir wieder im Saturn rum. Uns schloss sich bald die Caro an und wir wanderten umher und warteten schließlich in einer immer größer werdenden Gruppe vor dem Signierplatz.

Signierplatz noch ohne Signierwillige

Das finde ich nämlich auch immer schon bei solchen „Events“ oder Konzerten: wie freundlich und cool die meisten Anwesenden sind und wie schnell man mit ihnen ins Gespräch kommt. 
Jedenfalls waren wir dann doch irgendwann eine richtige Schlange, Tische, Stühle und Gitter(!) wurden herangekarrt und es ging irgendwann los. Wider Erwarten spielte die Band dann doch zwei Lieder: Want It Back und Creep.

Ja, ihre Stimme war angeschlagen, aber sie hatte zumindest eine (aus Gesprächen mit den anderen Wartendenen bekam ich mit, dass Amanda den Abend in Paris zuvor eben keine mehr hatte, dafür Lyric-Schilder zum Karaoke mitsingen).
Danach gings brav zum signieren. Die Bandmitglieder waren natürlich alle super nett und witzig. Und dann wars auch wieder schon vorbei.

Zu viert ging es anschließend auf Nahrungssuche zur Bento Box. Ich hatte eine sehr gute vegetarische Udonsuppe und interessante Tischgespräche mit den anderen Mädels. Caro und ich verabschiedeten uns dann schon mal und brachen weiter zum Konzert auf (da dieses bereits länger ausverkauft war, waren wohl auch deswegen so viele beim Instore Gig zuvor).
Mit Umweg über mein Hostel zum Umziehen (und damit Caro von einem zwielichtigen Modelagenten angesprochen werden konnte, während sie wartete) fuhren wir dann zum Luxor. Davor gab es schon eine kleine Schlange, wir reihten uns ein und traffen direkt hinter uns auf den Otti, den wir bereits beim Gig kennengelernt hatten. Im Gespräch stellte sich heraus, dass Otti eigentlich noch zwei Karten über hätte und wir dachten dabei natürlich sofort an Anne und Zoe, die eigentlich auch sehr gerne dabei gewesen wären, aber keine Karten mehr bekommen hatten. Da ich aber weder Telefonnummern noch eigenes Wlan hatte, konnte ich die beiden nur über Ottis Twitter-Account anschreiben, was aber auch nichts half. 
Wir warteten also weiter, unterhielten uns mit den anderen und heckten erste Front-Row-Strategien aus. Als dann endlich der Einlass begann konnten wir diese Strategie dann auch einigermaßen gut umsetzen, zweite Reihe, immerhin.
Zu Beginn gab es die Band um Jherek Bischoff. Diese klingt ungefähr so…

.

..und war unter anderem mit drei Kölner Musikern besetzt. Ich fand das Konzert sehr stimmig, schön und ruhig. Jherek live ist zugleich verspielt und konzentriert, man merkt einfach, dass er Musik, Instrumente und vor allem Arrangements liebt.

Danach wurde es mit The Simple Pleasure, der Band um den AFPGTO-Gitarristen Chad Raines, rockiger und tanzbarer. Man beachte vor allem seine heiße Beinbekleidung:

Gut eingegroovt ging es nach einigen Minuten dann mit der kompletten Band, also Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra, weiter. Es ging mit dem einzigen Instrumental-Song des Albums los und ich war sofort gefangen. Erster Gedanke: „Da ist ein Schlagzeug. Und Amanda Palmer. So muss es sein.“

Während den weiteren Liedern merkte man Amanda ihre Erkältung zwar an, der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch. Die immer wieder wiederholte Forderung „You have to sing with me!“ und die kuschelig kleine Konzertlocation trugen das ihre dazu bei. Die Songs der Band funktionieren live wirklich sehr gut. Die alten The Dresden Dolls und Amanda-Solo Lieder wurden ein bisschen Bandkompatibler gemacht und waren nach wie vor natürlich genial. Die Instrumenten-wild-Durchmischerei bei Missed Me mischte den Song auch kräftig auf und Amanda am Schlagzeug oder an der Gitarre sieht man ja auch nicht so häufig. Ansonsten fällt dabei wieder auf, wie gut die anderen Musiker sind. 
Besonders mitreisend fand ich von den neuen Songs den Bed Song und The Killing Type. Und auch Astronaut entlockte mir wieder ein paar Tränchen.
Was ich ja auch immer sehr reizend finde: wie die Amanda deutsch spricht. Auch an diesem Abend erzählte sie wieder relativ fehlerfrei, dass sie vor Jahren mal ganz in der Nähe des Veranstaltungsortes gewohnt habe. Die Wohung war wohl sehr klein, sehr günstig und sehr kalt gewesen. Die Cover von Eisbär und der Seeräuber Jenny wurden dann auch in Orignalsprache gesungen und waren wie gewohnt super. Ein Lied von Michael McQuilkens (Schlagzeuger) Band The Few Moments wurde auch noch zusammen gespielt. Das fand ich auch sehr schön und dunkel. Somit hätten wir dann auch alle Nebenbands und -projekte aller Beteiligten mal gehört.
Nach einer kurzen Zugabe, in der Amanda alleine über die Menge bis zur Theke crowdsurfte und dann noch mal Creep zum Besten gab, war das Konzert zu Ende.
Die komplette Setlist von diesem Abend.

Leider wurde das Luxor nachdem Konzert gleich wieder geräumt, da dort danach noch eine andere Party stattfinden sollte. Für diese sollte man allerdings nochmals Eintritt zahlen, was uns dann doch eher zum Rückweg aufbrechen ließ (natürlich nicht ohne noch beim Merchandise vorbeizuschauen).

Caro und ich fuhren zurück zum Hauptbahnhof und wollten dort gemeinsam die Zeit bis zu unseren Zügen noch totschlagen. Wir zogen in der Innenstadt herum, besuchten erneut die Hohenzollernbrücke, saßen die restlichen Stunden in einem „Rewe to go“ und unterhielten uns ganz wunderbar über Film, Musik und die Welt. 
Bis es dann Zeit wurde, Caro in ihren Zug nach Mainz gehen zu lassen und ich meinen Koffer im Hostel abholen konnte. (Diesen konnte ich zum Glück nach dem eigentlichen auschecken nämlich noch in einem Spint einschließen und musste ihn so nicht den ganzen Tag mitschleppen. Puh.) 
Mein Zug fuhr um 4:22 Uhr los nach Wien und bereits die ersten Durchsagen begrüßten die Fahrgäste mit einem schmetternden „Guten Morgen!“

Caro hat sich mit einem sehr schön passenden Zitat auf der Hohenzollernbrücke verewigt ❤

Ob ich im Zug wirklich schlafen konnte, meinen Umstieg gegen 7 bekommen hab und wie es dann eventuell in Wien weitergeht – demnächst dann!

Übrigens: hier noch ein weiterer Bericht zum Instore Gig von Anne.

4 Responses to “Cologne (AFP-Konzertreise pt.1)”


  1. 1 entenplage 27. November 2012 um 18:53

    ah, die ominösen kochbananen in aktion. davon bin ich noch immer fasziniert.. 😉

  2. 3 entenplage 28. November 2012 um 12:01

    ich müsste mich hier erstmal auf die suche nach selbigen machen. und dann wohl auch gleich noch ne passende sauce dazu panschen.. aah.. im nächsten leben, wenn ich dann mehr zeit habe, wird wieder mehr experimentiert. 😉

    • 4 lilaeyeprint 28. November 2012 um 12:13

      in asiatischen oder afrikanischen läden findet man die sicher. man kann darauf auch leckere chip-snacks machen oder einfachso fritieren und als beilage mit reis oder so essen 😉


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