Cheers Mates

5 Tage, die sich wie zwei Wochen anfühlen.

München – Nottingham – London – München.

Mittwochabend gings los. Ich und meine Flugangst auf dem Weg zu EasyJet.

Der Flug war dann aber doch ganz okay. Der Fensterplatz mit Aussicht auf die Flügel war eher beruhigend. Ein bisschen „Kontrolle“ (ich weiß, dass zumindest der rechte Flügel noch vorhanden ist, nicht brennt oder auch noch funktionstüchtig erscheint) blieb also noch übrig. Der Himmel war schön klar, ich konnte den kleinen Häuschen und Flüsschen und Städtchen noch zu winken. Erst über Frankfurt zogen sich die Wolken zu und ich habe mich lesend abgelenkt. Dann war ich auch schon da und wurde von meinem Freund abgeholt.

Der Weg von Flughafen Gatwick nach King’s Cross war mit dem Zug auch schnell erreicht. Im Bahnhof setzen wir uns gleich in ein nahes Bistro. In dem es sehr leckeres „Fast Food“ gab: Gemüse-Curry mit Reis und Reissalat.

Danach ging weiter mit dem Zug und sehr netten Zugbegleitern nach Nottingham. Leider war es zu dunkel um von der Landschaft etwas erahnen zu können. Nottingham selbst empfing uns erst mal mit Regen, aber dafür mit einem lustigen Taxifahrer.

„Cheers Mates!“ – der Spruch für alles.

Im Wohnheim angekommen, richtete ich mich erstmal so weit ein und zusammen planten wir die folgenden Tage.
Da mein Freund leider fast den ganzen Tag in der Uni verbringen musste, wollte ich die Stadt erst mal auf eigene Faust erkunden.

Was mir sofort nach den ersten hundert Metern auffiel: Nottingham ist sehr bergig! Die Taxifahrt am Abend davor konnte das noch gut kaschieren, aber der Weg in die Innenstadt offenbarte es dann: Das Zentrum liegt auf einen Berg!

Durch kleine rote Backsteinhäuschen, vielen kleinen Geschäften und Wohnhäuser gings in die Innenstadt. Dabei guckte ich mich bei jeder Straßenüberquerung drei Mal um – ungewohnter Linksverkehr!

Das Nottingham Council House am Old Market Square.

Erstmal gings zum Shoppen. Die Umrechnung € in £ fiel mir eigentlich ganz leicht (auch wenn ich einen veralteten Kurs im Kopf hatte. Aber das war wohl auch besser so, es schränkte meine Ausgaben dann doch ein bisschen ein.)

Nachdem ich mich dann durch diverse Shops und Centren durchgewühlt hatte und auch schon alle Mitbringsel eingetütet hatte, machte ich mich auf die Suche nach dem Nottingham Castle. Zugegeben es war nicht sehr schwer: das Castle ist ja auf dem Berg, also musste ich nur ein bisschen hochwandern.

Die Aussicht vom Castle ist wirklich wunderbar und sehr windig. Mit Blick über sehrsehr viel Nottingham aß ich (gut festhaltend) mein erobertes Sandwich und ging danach ins Castle selbst. Drinnen gabs einen wilden Museumsmix aus historischen Militäruniformen, englischer Geschichte und sehr durchgeschmischten Gemälden und Installationen. Von allem etwas, irgendwie.

Der oberste Stock beinhaltet zwei, drei riesige Räume mit dicht an dicht gehängten Bilder verschiedenster Epochen und Stile. Ein paar der Bilder haben mehr sehr gut gefallen:

Lucy Stevens – Half eaten bread and seed

Half eaten bread and seed was created by feeding pigeons directly off
sun print paper,
with the colours altered and replaced using Photoshop.
 

Tanya Foster – The Weight

Jane Domingos – Daily Light

Das beeindruckendste am Castle stellte ich aber erst beim Abstieg fest. Das jetztige Castle ist eigentlich nur ein kleiner Teil des früheren.

Hier sieht man ganz gut: das ursprüngliche Castle und was davon übrig geblieben ist.

Am Fuße des Castle Rocks gibts dann auch noch den berühmten Robin Hood zu sehen. Dieser soll ja in der Nähe von Nottingham gelebt und ist überall in der Stadt zu finden.

Abends ging es dann noch gemeinsam in den Lidl zum einkaufen. Da gibts eigentlich die gleiche Supermarkt-Ausstattung wie in Deutschland auch. Allerdings gibts ein paar Specials: die Linda McCartney-Veggie-Würstchen, alle Arten von gefüllten Fleischkuchen (örgs) und günstige Soja-, Reis- und Madelmilch.
Auch erwähnenswert sind die Öffnungszeiten der Geschäfte: Montag bis Sonntag und auch wesentlich länger (als zumindest hier in Bayern).

Am Freitag ging es für meinen Freund erst mal wieder in die Uni. Und ich nutzte die Gelgenheit und sah mir den Campus auch gleich mal genauer an. Was es dort alles gibt gleicht wirklich eher einem Dorf: Supermarkt, Drogerie, Buchhandlung, DVD-Verkäufer, Restaurants und sogar einen Frisör! Das Hauptgebäude ist auch wirklich sehr beeindruckend und der Campus an sich ist umgeben von einem kleinen Park mit See, Wäldchen und Enten. Wirklich sehr entspannend da ein mal drum herum zu laufen.

Das Trent Building

Danach ginges zu Batman nach Hause. Also fast. Aber die Zeichen standen schon mal gut:

Das Wollaton Hall-Logo im Batman-Stil

Auf den Gehwegen oft zu sehen: nanananananana Batman!

Im Wollaton Park wurden nämlich die Außenaufnahmen der Wayne Manor für Batman Begins und The Dark Knight Rises gedreht. Das merkt man vor allem im Museumsshop (u.a. Wonder Woman-Tassen, Joker-Taschen und Spiderman-Untersetzer), aber auch in der Wollaton Hall selbst. Dort gabs zum Beispiel Batman-Pappaufsteller in einem nachgebauten Historienzimmer. Außerdem kann man allerlei Krimskrams bestaunen: eine Mineralien-Ausstellung, unzählige ausgestopfte Tiere jeder Art und Größe, lebendige Kakerlaken und Stabheuschrecken. Der Park drum herum ist aber sehr schön und weitläufig. Hier gibts unter anderem einen Deer Park, einen Golfplatz und sehrsehr viele graue Eichhörchnen.


Ja, hier überlege ich mir grad Einrichtungspläne für unsere neue Residenz.

Danach ging es wieder in die Stadt zum Essen (indisch, lecker!), rumgucken und shoppen. Frustriert hat mich der riesige Primark: nachdem ich wirklich einiges gefunden hatte und den Schilder „Size 8 – Größe 36“ vertraute, kam die bittere Enttäuschung in der Umkleide: es passte einfach NICHTS. Entweder ist der Primarkschnitt viel kleiner als ich das gewohnt bin oder die McCartney-Würstchen hatten es ganz schön in sich. Da wir aber schon den ganzen Tag unterwegs waren und ich keine Lust mehr hatte, nochmal durch den Laden zu hetzen um meine wirkliche Größe rauszusuchen, gab ich einfach auf. Glück ghabt, Pfund gspart!
Am nächsten Tag ging es früh morgens los nach London. Während der Zugfahrt konnten wir noch ein bisschen Schlaf nachholen.
In London angekommen und mit Tube Map ausgestattet ging es erst mal zum National Theatre. Dort sollte es nämlich noch Tagestickets für die abends aufgeführten Stücke geben. Wir entschieden uns für Damned by Despair. Danach ging es zum Hostel. Wir luden unser Gepäck ab und machten uns auf den Weg in die Innenstadt. Wir waren shoppen und haben uns mehr oder weniger in die Photographers‘ Gallery reingeschlichen. Die Shoot!-Ausstellung zeigte beeindruckende Fotos von Künstlern, die sich beispielsweise eine eigene Photobox gebastelt haben, die ausgelöst wurde, in dem sie darauf schossen. Man konnte auch vor Ort sein eigenes Foto schießen.
Danach ging es auf gut Glück in ein koreanisches Restaurant. Die Einrichtung war sehr modern und klar, die Portionen wirklich lecker, aber sehr übersichtlich. Die Vorspeise, Tomatofu, war ein Seidentofu-Tomaten-Salat mit hauchdünnen Selleriestangenstreifen. Als Hauptgang hatten wir Reis mit gebratenem Tofu, Sojasprossen, Brokkoli, Spinat, grünen Bohnen und Weißkohl. Dazu gab es eine Sesamsoße. Es war wirklich gut, man schmeckte, dass das Gemüse nur ganz kurz gedämpft war und noch sehr ursprünglich und „richtig“ war.

Nicht so richtig gesättigt ging es dann doch weiter. Auf zum Rough Trade-Store. Rough Trade ist ein Musiklabel, auf dem zum Beispiel Arcade Fire, Emiliana Torrini oder Warpaint  sind. Der Laden ist in einer jungen und hippen Gegend mit vielen kleinen Lädchen und ein bisschen Kunst auf den Wänden.

Ein grüner Kirby zertrümmert ein Auto, Pfeil und Bogen ins ungewisse und ein rosa Keksmonster.

Da wir schon wieder (oder immer noch) Hunger hatten, wollten wir in der Nähe etwas essen. Wir sahen uns die nächsten Restaurants mal genauer an, aber schon ein kurzer Blick in die Lokale reichte um die ins-Restaurant-Locker auf den Plan zu rufen, die auf der Stelle damit begangen ihre Preise und Speißen anzupreisen. Da war zum Teil sehr aufdringlich und unangenehm. Für uns war das eher ein Ausschlusskriterium als eine Einladung. Irgendwann fanden wir dann doch noch einen netten Inder, in dem es auch ganz gutes Essen in einem bisschen verranzten Ambiente gab.

Eigentlich hatten wir noch genug Zeit um rechtzeitig ins Theater zu kommen, aber das Londner U-Bahn-System machte uns einen Strich durch den Zeitplan. Durch unendliche lange Tunnel und wiederholtes Umsteigen, kamen wir etwa zehn Minuten zu spät wieder am National Theatre an. Das war aber nicht so schlimm, die laufende Vorstellung konnten wir an Bildschirmen und verfolgen und an einer ruhigen Stelle im Stück wurden wir auf unsere Plätze (erste Reihe, direkt an der Bühne dran) gelotst. Das Stück fand ich sehr gut, auch wenn es darin viel um Gott/Glaube/Religion ging. Die Schauspieler fand ich sehr mitreißend und authentisch. Nach der Vorstellung musste ich noch kurz die Bühne anfassen (sie war sowieso direkt vor meiner Nase): auf ihr stand immerhin schon Benedict Cumberbatch (und Johnny Lee Miller)!
Danach ging es durchs wunderschön beleuchtete London wieder zum Hostel. Unser 6-Bett-Zimmer teilten wir uns mit einer Amerikanerin, einem Mexikaner und zwei Brasilianerinnen (Mutter und Tochter, die einen kompletten Europa-Trip machten).

London bei Nacht: rechts sieht man das rote National Theatre

Tate Modern

Am Sonntag gings in die Tate Modern. Wir sahen uns alle kostenlosen Ausstellungen an. Meinen Freund hat vor allem die Inszenierung von Tino Sehgal gefallen. Hier laufen in der großen Aula viele Menschen hin und her, unterhalten sich mit den Besuchern über ein bestimmtes Thema, singen oder machen noch ganz vieles mehr. Mir hat das Angst gemacht, wie das Licht im dunkler wurde und Menschenmassen auf einen zu kamen. Ich habe mir stattdessen den großen Museumsshop angeguckt. Nachdem wir alle vier Stockwerke durch hatten, gingen wir ohne richtigen Plan drauf los und stießen relativ schnell auf die St Paul’s Cathedral. Da wir nur noch wenig Zeit hatten, konnten wir leider nicht reingucken. (Von dort aus wäre auch eine Buslinie gefahren, die an den wichtigsten Sights vorbeigekommen wäre, aber wir heben uns das einfach für das nächste Mal auf!) Aber wir aßen dafür einen Burger im Gourmet Burger Kitchen. Sehr freundliche und offene Mitarbeiter und wirklich gute vegetarische Burger.

Vegetarischer Bohnen-Burger mit allerlei Sprossen, Gemüseln und Fries.

Und dann mussten wir uns auch schon beeilen: viel U-Bahn-fahren, ins Hostel, auschecken, viel U-Bahn-fahren, einen Zug verpassen, die drei gesperrten Linien zur Victoria-Station entdecken, ein bisschen durchdrehen, viele U-Bahn-Tunnels entlang hetzen, einen Umweg finden, einen passenden Bus finden, rumrennen, von Security- und Bahn-Mitarbeitern hin und her geschickt werden, ein neues Zug-Ticket kaufen, das richtige Gleis und den richtigen Zug finden, in diesem noch die Postkarten vollschreiben und dann doch am Flughafen ankommen.

Dann kam der Abschied.

Und ich war wieder im Flugzeug. Zum Glück hatte ich mir im Flughafen noch das neue Miranda Hart Buch „It It Just Me?“ gekauft. So konnte ich fröhlich vor mich hin kichern und meine Flugangst schon auch ein bisschen vergessen. I applaud myself at leat dafür und im Pferdchensprung ging es dann auch schon wieder nach Hause.

2 Responses to “Cheers Mates”


  1. 1 Philipp 12. November 2012 um 11:39

    Hey, toller Bericht von deiner Reise, wenigstens habt ihr euch mal wieder gesehen in der ganzen Zeit. Schöne Fotos, der Veggie-Burger würde mich auch reizen. 😉


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