Outfit of the Mood

Weil ich ab und zu gerne mal den ein oder anderen Modeblog lese, aber selber noch nie einen geschrieben hab, versuch ich hier erst mal meine Gedanken zum Thema Mode zu sammeln.

So. Fangen wir mal in der Kindheit an. Die 90er mit all ihren weiten T-Shirts und bunten Karottenhosen. Ich konnte mich nicht wehren und mir war es auch einfach ziemlich egal. Bis ich dann mal mit elf bei einer Freundin war. Sie war 13 oder 14 und unglaublich cool. Sie trug beispielsweise einen riesigen gelben Dickies-Pulli und Schlaghosen. Ich verbrachte dort mehrere Tage und bevor wir rausgingen zu ihren ebenfalls wahnsinnig coolen Freunden, guckten wir erst mal meine Klamotten durch. Ich erinnere mich noch, wie mir plötzlich die unglaubliche Peinlichkeit meines braunen Igel-Pullovers auffiel (die Igel wurden mit so Plüschstoff noch extra flauschig und dreidimensional gemacht). Leider gibt es davon keine Fotos mehr. Den restlichen Besuch über stattete sie mich also mit ihrer Garderobe aus.

Ungefähr ab da begann ich ein bisschen mehr auf meine Kleidung zu achten. Was rückblickend natürlich auch nicht unbedingt schön war, aber das muss man wahrscheinlich einfach in der Zeit sehen. Bauchfrei und immer ein bisschen Schlag an der Hose. Wie ich Schlaghosen liebte und es einfach nicht verstehen konnte, als auf ein mal dieser Skinny-Jeans-Trend kam. Das erste Mal als ich mit meiner Mutter im h&m einkaufen war, eröffnete sich mir eine kleine neue Welt. Ich bekam eine Jeans und zwei gleiche T-Shirts in rot und schwarz mit gekräuselten Armbündchen. Damit fand ich mich schon mal total modern und schick.

Irgendwann war ich mit meiner Oma und Mutter im nahgelegenen Karstadt und sah da das absolut tollste Top, das ich bis dahin jemals gesehen hatte:

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Das graue Top mit Blumen und Spaghettiträgern (ein zum Glück in Vergessenheit geratenes Wort)

Nach langem Bitten bekam ich es dann und war sehr glücklich. Wirklich oft hatte ich es dann doch nicht an. Welches Kleidungsstück ich dafür sehr oft anhatte, war meine Jeans mit ordentlich Schlag in zwei verschiedenen Jeansfarben, die jeweils auf der anderen Seite ausgetauscht waren. Also das rechte vordere Hosenbein war zum Beispiel so ein heller metallic Ton, das linke hat ein dunkles Jeans-metallic-blau und auf der Rückseite war das genau umgekehrt. Es beschreibt sich so doof, wie sie aussah, aber ich habe sie geliebt. Und hatte sie dementsprechend oft an, was dazu führte, dass ich in der Schule von Mädchen ein paar Jahrgangsstufen über mir gefragt wurde, ob ich nur eine Hose hätte oder drei Stück von dieser. Rude! (wie Miranda Hart dazu sagen würde). Immerhin hat diese Hose damals 120,-DM gekostet und ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum mir meine Eltern sie dennoch gekauft haben.

Dann kam die Punk/Gothic-Phase. Ich trug fast ausschließlich schwarz und/oder “selbstgestaltete” Shirts und Hoodies. Einige dieser DIY-Teile davon finde ich heute noch sehr schön, trage sie aber nicht mehr. Darunter ein ehemaliges Shirt mit Puffärmelchen, dass ich zu einem Mini-Rock umfunktioniert hatte, die Ärmelchen wurden an ein anderes schlichtes Oberteil genäht und werteten dieses unheimlich auf. Allerdings war das alles pink und das war noch nie so meine Farbe. Ansonsten wurden sehr viele Shirts beschriftet und zurecht geschnippelt. Auch die Chucks bekamen Verzierungen und wurden abwechselnd mit den (Deichmann-)Schnürstiefeln ausschließlich getragen. Meine Mutter schlug oftmals die Hände über dem Kopf zusammen, meinte aber meistens: “Ich würde niemals so rausgehen wollen, aber wenn’s dir gefällt. Irgendwann wirst du Bilder von dir jetzt sehen und selber nicht glauben können.” (Ich glaube, sie wird Recht behalten.)

So mit 16 kamen dann auch immer mehr Bandshirts dazu. Angefangen mit den Ärzte-T-Shirts über relativ unbekannte Hardcore-Bands. Auf meinen Taschen befanden sich jede Menge Band-Buttons und auch sonst viele Aufnäher mit möglichst viel Message. Meine Kleidung kaufte ich zu der Zeit häufig in SecondHand-Läden, weil ich es absolut schlimm fand, wie “alle anderen” auszusehen.

Mit 19 fing ich, an in einem Schuhladen als Aushilfe zu arbeiten. Meine Kolleginnen waren immer ziemlich schick angezogen, was ich anfangs nicht so ganz verstehen konnte, da ihre Kleidung im Laufe des Tages ja eh nur schmutzig werden würde. Aber mit der Zeit achtete ich auch immer mehr darauf, was ich trug. Einerseits da dort relativ hochwertige Schuhe und Taschen verkauft wurden und ich mich in meinen normalen Klamotten dagegen nicht mehr so wohl fühlte. Andererseits hatte ich so durch den Job auch mehr Geld zur Verfügung um mir Kleidung zu kaufen, die mir eben besser gefiel.

Im Zuge des Nebensjobs kamen auch ein, zwei, vielleicht auch drei Schuhpärchen mit nach Hause und mittlerweile würde ich schon sagen, dass mein Schuhschrank “gut gefüllt” ist. Auch die restlichen Schränke beklagen sich sehr selten über zu viel Freiraum. Die Accessoire- und Schmuckboxen werden auch immer schwerer, da hat sich im Laufe der letzten Jahre auch einiges angesammelt.

Wobei ich neben der Tatsache, dass mir die Dinge die ich kaufe natürlich gefallen müssen, auch darauf achte, wie teuer sie sind. In den letzten 3-4 Jahren kaufe ich vor allem auf Flohmärkten, im Internet (ebay und Co.) oder im Sale ein. Spontan kann ich mich an kein Kleidungsstück erinnern, dass ich zum regulären Preis gekauft habe. Zum einen mag das damit zusammenhängen, dass ich schon ein bisschen geizig bin und halt auch nicht so wahnsinnig viel Geld für eigentlich Unnützes ausgeben kann, zum anderen kann ich mir so mein Kaufverhalten vor mir (und anderen) auch ein bisschen schön reden. (“Ja, da ist das 3.Paar schwarze Stiefel/der 15.Bikini/der 4. rote Nagellack, ABER guck mal wie viel das gekostet hat!”) *

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Eine Seite des Kleiderschranks mit Kleider, Röcken und Hosen, die nach unten hin immer chaotischer wird.

Damit steh ich aber wieder in einem gewissen Konflikt mit mir selbst. Ich möchte ja gute, qualitativ hochwertige und einigermaßen fair produzierte Waren kaufen und die sind einfach nicht günstig. Also bin ich den Kompromiss eingegangen, für mich Kleidung über den SecondHand/Flohmarkt/Sale-Weg zu beziehen.

Übrigens: zum selber Flohmarkten bin ich irgendwie zu faul. Hinzu kommt der Gedanke “Irgendwann werde ich das schon wieder tragen/wird es wieder modern/kannst es bestimmt mal voll ironisch tragen!” Da ich weiß, dass das alles wahrscheinlich eher nie eintritt, hadere ich schon seit längerer Zeit mit mir, nicht doch endlich mal etwas loszuwerden. Auf dem Dachboden sind sogar schon ein paar fertig gepackte Tüten, die nur darauf warten zum Kleidercontainer gebracht zu werden. (Schreibe das hier grad auch eher zum eigenen Motivationsansporn, falls es niemanden stört.)

Ich wähle meine Kleidung zu meiner Stimmung. Will ich mich über den Frühling oder den Herbst freuen, kann ich das gut über meine Klamotten ausdrücken. Ich lass mich da ungern in eine Schublade oder Ecke stecken, sondern kombiniere das Ganze so, wie mir das gefällt und meinem Gefühl entsprechend.

Wie oben schon kurz beschrieben: ich guck ja öfter bei Modeblogs vorbei und lasse mich da gerne mal inspirieren. Vor allem auf so Sammelblogs wie Lookbook oder verschiedenen Streetstyle-Blogs lassen sich manchmal ganz gute Kombinationen finden, auf die man selber nicht so schnell gekommen wäre. Ganz bezaubernd finde ich auch den finnischen Blog Hel Looks. Dort findet man die kuriosesten Typen.

Aber um selber meine Outfits online zustellen, bin ich einfach zu faul. Da müsste man ja erst mal einen schönen (aka aufgeräumten/hellen) Ort dafür finden, dann bräuchte man noch jemanden, der die Fotos dann auch macht und dann müsste man das ganze dann auch noch hochladen. Viel zu viel Stress, dachte ich. Aber seit ein paar Monaten gibt es eine wundertolle Aktion, die von Journelle ins Leben gerufen wurde: #609060. Die hier sehr gut und mit ausführlicher Linkliste in ihrem Blog beschrieben ist. Dabei fotografiert man sich einfach so, wie man gerade gekleidet ist, hängt den Hashtag #609060 dran und postet es auf Instagram, Twitter oder wo auch immer man sonst so aktiv ist. Ich finde die Aktion sehrsehr schön, sehe ich doch was andere so tagtäglich tragen, welchen Stil sie bevorzugen und bekomme eben auch immer ein bisschen Einblick in den Alltag (und die Wohnung) derjenigen. Da habe ich von Anfang an gerne mitgemacht, so ein Foto vor dem Spiegel bevor man das Haus verlässt, lädt sich ja fast schon von selbst hoch. Wer sich die bisherigen Bilder mal angucken möchte, sucht einfach auf genannten Plattformen nach dem Hashtag.

Instagram_collection

Hier eine kleine Auswahl meiner #609060

Wer mein Twittern einigermaßen aufmerksam verfolgt, dem fällt nicht nur #609060 sondern ab und zu auch #shoppingqueen auf. Das ist nämlich eine Sendung, die ich zur Zeit häufig (vor allem während dem Abspülen und Putzen) gucke. Das Konzept ist schnell erklärt: fünf Frauen treten gegeneinander an und wollen mit ihrem Outfit Shoppingqueen werden. Dazu hat jede Kandidatin 500,-€ und vier Stunden Zeit. In dieser Zeit muss sie zum jeweiligen Wochenthema alles für ihr Outfit, inklusive Friseur, Make-Up und Accessoires kaufen. Die Sendung an sich wäre bestimmt nur halb so gut, wenn nicht noch der Designer, der am Ende der Woche auch mitabstimmen darf, immer seine Kommentare dazu geben würde. Der Guido nämlich. Dabei sind die Kommentare nie verletzend und nur manchmal ein bisschen gemein. Ich finde die Sendung sehr witzig, natürlich vor allem wegen der Kommentare, aber auch wegen der unterschiedlichen Kandidatinnen. Im Zuge des Wochenmottos habe ich mir auch schon mal überlegt, ob es nicht ganz schön wäre, meine Interpretation zum Thema zu zeigen. Vielleicht mache ich das in der nächsten auch mal, mal sehen. Inspiriert dazu hat mich übrigens unter anderem die Miss Temple, die auch öfter ihre wunderschönen OOTDs vorstellt.

* Ein Blogeintrag, der sehr schön unseren heutigen Besitz mit dem früherer Generationen vergleicht: hier von Wortschnittchen.

2 Responses to “Outfit of the Mood”


  1. 1 Katja (@hepburn4ever) 3. Dezember 2012 um 12:38

    Hach… In vielen dieser Phasen erkenne ich mich sehr gut wieder. Muss mir mal wieder Bandbuttons zulegen und den Kleiderschrank müsste ich auch mal wieder entrümpeln.

    Bei mir setzt gerade eine wahre Schmuckobsession ein. Bis vor Kurzem hab ich so gut wie keinen Schmuck getragen und jetzt will ein Statementring nach dem anderen zu mir ins Schmuckkästchen. Zum Glück halte ich es wie Karl Lagerfeld und sehe Shoppingtouren als meinen kleinen Beitrag zur Wirtschaft. ;)

    Sehr schöne Outfits übrigens und auch so unglaublich wandelbar. Finde es immer am schwersten, dem einen Stil treu zu bleiben, ohne langweilig und vorhersehbar zu sein. Du schaffst das meiner Meinung nach. Ich bin ganz verliebt in das Outfit unten links und die Streifenhose steht dir super.

    • 2 lilaeyeprint 3. Dezember 2012 um 12:49

      ach, da werde ich gleich rot :) danke!
      hm, ich kenn das auch mit schmuck auch nur zu gut! (und im laufe der jahre kamen immer mehr details dazu: schals, schuhe, ketten, ringe, armbänder und oooh fußkettchen nicht zu vergessen!)


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